im Anfang steht niemand.
im Anfangsland lag ich und schrie.
am Ende schweig ich und zieh
ein weiß beschriftetes Spruchband
hinter mir her. was draufsteht?
am Anfang, am Ende der gleiche
Vokal und immer, immer im Liegen
hört ihr meinen Anfang: ich bin
ein Strom, der in andere mündet
in den wieder andere münden.
ich bin ganz aus Sprache gemacht
ich bin ein irrer Anfangsvokal
Alleinstellungsmerkmal meiner
verlorenen Art, die sprechen muss
um sich selbst zu begreifen. wir
sind allein und jetzt alle zusammen:
dona nobis pacem uns zartem
gefräßigem Alphagetier. ich bin
nicht allein. du bist nicht allein
wir irren, o Herr, von einem Verhör
zum andern und stecken einander
Messer rein: ich habe, du hast
nein, wir haben wohl eine Tendenz
zur Ausuferung, also wo ist, o
Big Bang, der Anfang vom Argen?
im Anfangsland lag mein Flüsschen
mit Schnabel. am Anfang lag ich
niemand war ich und niemand
werde ich sein. dazwischen bin ich
Stimmgabel aus flüssigem Stoff
ich bin mein eigenes Lied aus dem Off
über ein vollkommen weißes
Rapsfeld im Schnee

Aus:

Sandig_Feld voller Raps

ich bin ein Feld voller Raps verstecke die Rehe und leuchte wie dreizehn Ölgemälde übereinandergelegt Schöffling & Co. 2016.

hoerbare-dichtung

Das Album zum Gedichtband gibt es exklusiv auf Lesungen und auf dieser Seite – zum Bestellen hier klicken.


4_bullet[1]

 

 

Es gibt Dinge von so unwahrscheinlicher Natur, dass die Leute sie einfach nicht glauben. Das stimmt nicht, sagen sie dann, als wären sie dabei gewesen. Aber sie waren nicht dabei und können es nicht wissen. Schreibt man diese unwahrscheinlichen Dinge aber auf und nennt sie eine Geschichte, dann glauben die Leute alles. Sie sitzen aufrecht in ihren Stuhlreihen und halten die Vorleserin mit ihren Blicken fest, wie sie schon als Kinder die Eltern am Bettrand festgehalten haben, bis die Gutenachtgeschichte ausgelesen war. Oder aber sie halten das Buch in ihren Schößen und lassen ihre Augen über die Buchseiten wandern, als suchten sie Spuren im Schnee, den es doch nur in der Geschichte gibt. (…)


4_bullet[1]

 

 

gib mir die geschnittenen Felder unter der Folie aus Luft.
gib mir die Kiefern. die ziehen am gar nicht beweglichen Licht.
gib mir den Fischteich da drüben, den ganzen Entengries drauf.
gib mir den plötzlich so dunkel werdenden Grünspan auf meinem

einzeln stehenden Haus. die Wolken rollen drüber hinweg. Augen
auf! schon wieder dehnt sich der Mittag in alle Richtungen aus.


4_bullet[1]

 

 

Ich bin Anführer. Mit gemessenen Schritten schreite ich vor dem Zug her. Nicht laufen, sondern schreiten, hat Gunnar gesagt, mit ge-messenen Schritten. Schreiten ist langsames Gehen mit großen Schritten. Nicht zu schnell, aber auch nicht trippeln, Kleiner, also große Schritte, aber nicht so groß, dass du beim Laufen wippst, es muss der Situation angemessen sein, hörst du? Außerdem haben wir Zeit. Das wichtigste ist, gleichmäßig zu schreiten, also: gemessen. Nichts ist schlimmer als ein Anführer, der mal schnell, mal langsam schreitet und dadurch Lücken im Zug verursacht, die durch leichten Trab in den hinteren Reihen wieder aufgeholt werden müssen, wäh-rend sich vorne Bestürzung über die getretenen Fersen verbreitet. (…)


4_bullet[1]

 

 

an genau dieser stelle versickert das glück. zu retten
bleibt nur, was aufgeführt ist im inhaltsverzeichnis der see,
der halde versandeter wälder: hühnergötter zu finden bringt
glück!! hühner zu finden nicht, tote vögel zu finden nicht, löcher
zu finden schon, nicht neue GÖTTER zu suchen. lediglich hühner
götter zu finden, auch bernstein, blutproben alter bäume, nur
die einschlüsse guter, surrender träume niemals zu finden.
im schlick nie mehr kronen, echsen, nie ein stück wind.


4_bullet[1]

 

 

Post
von dir
wenn der Tag
noch eine Jungfrau
war und kaum ein Wort
die Klippe runterfiel. meine
heißen Ohren liegen auf dem
weißen Screen und auf
deinem             Herz
Sprung und Stille
dazwischen
atmet
tief