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Mensch
Ulrike Almut Sandig wurde 1979 in Großenhain (Sachsen) geboren. Nach einem Jahr in Frankreich zog sie 1998 nach Leipzig, wo sie heute lebt. Sie brach ihr Journalistikstudium ab, unternahm Sprachreisen nach Indien, gründete mit Marlen Pelny die Literatursache augenpost (Gedichte für alle) und schloss 2005 ein Magisterstudium in Religionswissenschaft und moderner Indologie ab. Von 2007 bis 2009 war sie Redakteurin der Literaturzeitschrift EDIT, 2010 schloss sie ein Diplomstudium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig ab. Einige ihrer Gedichte wurden ins Englische, Französische, Polnische und Türkische übersetzt.
Preiselbeeren
2006 Lyrikpreis Meran
2006 Hertha Koenig-Förderpreis (Laudatio von Ulla Hahn)
2007 Aufenthaltsstipendium im Künstlerhaus Lukas, Ahrenshoop
2007 Aufenthaltsstipendium in Sydney
2008 Aufenthaltsstipendium im Künstlerhaus Edenkoben
2008 Ernst Meister-Förderpreis
2009 Lessing-Förderpreis des Freistaates Sachsen
(Laudatio von Ulrike Draesner)
2009 Leonce-und-Lena-Preis
2009 Aufenthaltsstipendium am Literarischen Colloquium Berlin
Meinungen
[...] Ganz bewusst hat Sandig für ihre Prosatexte die Gattungsbezeichnung “Geschichten” gewählt – keine klassischen Erzählungen, nicht auf die Pointe hingeschrieben, nicht zwanghaft auf Überraschungseffekt gebürstet. Manchmal ist es ein geradezu märchenhafter Ton, der Sandigs Texte trägt, und nicht selten verwischen die Grenzen von Wahrscheinlichkeit und Surrealem, ohne ins Abstruse abzugleiten. Schon die ersten Sätze des Bandes “Flamingos” geben die Poetologie vor: “Das ist die Geschichte von jemandem, den es nie gegeben hat. Sie handelt von mir. Ehrlich gesagt ist es keine Geschichte, in der besonders viel passiert. Ich kann weder berufliche noch familiäre Höhepunkte vorweisen, auf die ich hoffnungsvoll oder gelegentlich auch größenwahnsinnig hingearbeitet hätte.” Diese relativierende Erzählerebene bleibt in jeder der Geschichten präsent, mal offen und konkret, dann wieder verdeckt. Der doppelte Boden, der hier eingebaut ist, ermöglicht jederzeit die Relativierung. Es könnte alles so gewesen sein. Möglicherweise aber auch ganz anders. Die Erinnerung ist das zentrale, verbindende Element, das die elf Geschichten zusammenhält – sie mag zuverlässig sein oder eben auch trügerisch. [...] Diverse Motivketten durchlaufen “Flamingos”, sie sind geschickt und unaufdringlich inszeniert und sauber zusammengehalten. Ulrike Almut Sandig ist eine Prosaschriftstellerin, die an der Autonomie des Fiktionalen festhält. [...]” CHRISTOPH SCHRÖDER ÜBER “FLAMINGOS” . SPIEGEL ONLINE
“fest steht, alles wird immer noch da sein, [...] sogar nach allem, was vorgestern kurz, aber spurlos verschwand”, heißt es in einem Gedicht von Ulrike Almut Sandig, die den Leonce-und-Lena-Preis 2009 erhält. In dieser Auslöschung von Welt- und Selbstgewissheit formieren sich die Gedichte, die Texturen sehr komplexer, ineinander und gegeneinander arbeitender Motivschichten sind. Die Rückeroberung einer nicht nur privaten, sondern auch historischen Anwesenheit ist ihr großes literarisches Thema. Und dies in einem autonomen, unverwechselbaren lyrischen Ton.” JURY LITERARISCHER MÄRZ
Diese skeptische Verhaltenheit des Sprechens, das sich ständig selbst in
Frage stellende lyrische Erzählen macht den großen Reiz von Sandigs
Poesie aus. MICHAEL BRAUN . DEUTSCHLANDFUNK
Anmutig und zärtlich ist ihr Blick auf die Welt. ULLA HAHN
Sandigs Gedichte setzen uns in Bewegung. Auf einer fast im alltäglichen
Satzmuster gebauten Fläche lassen sie uns hineingleiten in eine Welt der
allmählichen Verrückung, des Halbtraums, der Fiktion. ULRIKE DRAESNER
Wenn wir Romantik als Autonomie des Imaginären verstehen, dann handelt es sich hier durchaus um romantische Gedichte, die sich aus der Spannung zwischen Realität und Imagination, Besitzen und Begehren ergeben. Da die Bedeutungen schwanken und “Streumen” polyvalent bleibt, wissen wir nie genau, was erlebt und was erdacht ist, wo die Wirklichkeit endet und die Einbildung beginnt. [...]Vielleicht ist das die Verführung, die von ihnen ausgeht, daß sie nicht nur semantische Leerstellen bezeichnen, sondern im Bezeichneten neue Leerstellen schaffen und somit Erkenntnis und Infragestellung eins werden lassen. “Streumen” eben, ein schwankender und bisweilen doppelter Boden, Erinnerungsarbeit. KURT DRAWERT. NEUE ZÜRCHER ZEITUNG
Für die 1979 im sächsischen Großenhain geborene Pfarrerstochter, Absolventin des Leipziger Literaturinstituts und inzwischen Redakteurin der Zeitschrift “Edit”, ist es die Fortschreibung einer Poetik, die mit bewundernswerter Sicherheit und Präzision auf zweierlei setzt: das Spiel mit der Erinnerung und die Gestaltungskraft der Fantasie. Dieses Programm wird bereits vom Titelwort “Streumen” vorweggenommen — einerseits ihr Name für den Ort der verschwundenen Kindheit; andererseits Flurbezeichnung für eine erst in der Poesie erschaffene Landschaft. [...]
Mit “Streumen” ist der Leipzigerin eine eindrucksvolle Landnahme gelungen. JAN VOLKER RÖHNERT. TAGESSPIEGEL
Hier feiert die Autorin eine Melancholie der Provinz, und Provinz bedeutet klar auch Provenienz, also Herkunft des Herzens. “in streumen ist es wie überall,” Streumen ist der Ort, an dem die Schranke immer unten ist. Was inhaltlich dokumentiert wird (“an genau dieser stelle versickert das glück” — “im anflug zu einem satz/ übers wetter, gibt es hier, es gibt nichts zu sagen”), erhält einen Widerpart konzentrierter Bewegung in dem Bogen, den die Gedichte über die Kapitel hinweg schlagen. CRAUSS. TITEL-MAGAZIN
Lakonische Gedichte, fern von Tempo und zerebraler Gegenwart.
PAUL JANDL . NEUE ZÜRCHER ZEITUNG
Sie ist eine Verwandlungskünstlerin, die in die Welt schaut und dem, was ihr unterkommt, etwas Fremdes, Ungewohntes, auch Rätselhaftes abgewinnt. Die Märchenwelt ist ihr nahe, in der die dunklen, verborgenen Seiten der Seele kurzfristig die Oberhand gewinnen und der Vernunft elegant ein Schnippchen schlagen. “meine freundin ist einsam wie ich.” So persönlich vermag diese Autorin zu klingen, und doch wird sie nie privat. Sie verschlüsselt Erfahrungen, sie arbeitet mit Aussparungen und Andeutungen, um so einen Raum zu öffnen, in dem für mehr Menschen Platz ist als nur für dieses eine verlorene lyrische Ich. Der Leser kann sich hier nicht zurückziehen als der kühle Beobachter fremden Lebens, er soll zu sich selbst kommen. ANTON THUSWALDNER . SALZBURGER NACHRICHTEN
Prosagedichte von Ulrike Almut Sandig, die durch ihre leise Intensität beeindruckten. KATRIN HILLGRUBER . DER TAGESSPIEGEL
Sandigs Gedichte lese ich als selbstbewusste Kunstwerke, die auch
sprachlich raffiniert komponiert sind mit ihrem Geflecht aus Querbezügen
und korrespondierenden Klängen… Sie stehen auf eine sich entwickelnde
Art für die Macht ihrer Gattung: Was ein Gedicht nicht zu sagen vermag,
das gibt es nicht. HENDRIK ROST . BELLA TRISTE . SONDERHEFT ZUR
DEUTSCHSPRACHIGEN GEGENWARTSLYRIK
